Freitag, 11. Mai 2012
EU-Kampfroboter gegen Grenzgänger
"Sicherheit" ist bekanntlich ein mindestens ebenso nichtssagender Begriff wie "Freiheit" - frei von was? sicher wovor?
Die Europäische Union finanziert jedenfalls Forschungsprojekte, die für mehr Sicherheit sorgen sollen, wie die urbane Überwachungsplattform Indect oder auch Talos - halbautonome Landdrohnen, die Migranten ohne Papiere am Grenzübertritt hindern sollen.
The unmanned ground vehicle (UGV) was demonstrated in Poland in mid-April at a military training ground in front of a hundred-or-so people, including officials from Frontex, the EU's Warsaw-based border control agency, Polish ministers and border guards from around Europe. The complete system includes two autonomous UGVs, an unmanned command unit and a two manned command centres. Sensor towers are deployed in areas not accessible to UGVs.Dieses Projekt, über das ich in verschiedenen Zeitschriften geschrieben habe, hat nun seinen Prototyp vorgestellt (ohne dass die europäische Presse davon zur Kenntis genommen hätte). Wirklich automatisch und wirksam abschreckend wäre Talos natürlich erst dann, wenn es als mobile Selbstschussanlage fungierte. Eine Bewaffnung der Drohne war auch tatsächlich angedacht, dann aber politisch nicht durchsetzbar.
The consortium, which includes Israeli Aerospace Industries, at one stage explored arming the interceptor with non-lethal weapons, such as tear gas and, according to one soucre, "a kind of acoustic device." The idea was later dropped and Spronska said the project never developed any interfaces or applications to house weapons. But official Talos literature says there is still "space" for non-lethal weapons "to be considered" in future.
Donnerstag, 10. Mai 2012
Dienstag, 8. Mai 2012
Was bleibt vom Sequenzierungs-Hype?
Nach wie vor ist regelmäßig zu lesen, dieses und jene "Gene für X" sei nun entdeckt worden, wobei die Variable offenbar für ziemlich jedes körperliche oder geistige Merkmal stehen kann. Da tut es gut, dass wenigstens Humangenetiker und Mediziner hinter die Aussagekraft der individuellen genetischen Varianten ein großes Fragezeichen machen.
Mein Bericht über die Anhörung des Deutschen Ethikrats letzte Woche zu "Grenzen und Möglichkeiten prädiktiver genetischer Diagnostik" bei komplexen Krankheiten ist gerade bei Telepolis erschienen.
Mein Bericht über die Anhörung des Deutschen Ethikrats letzte Woche zu "Grenzen und Möglichkeiten prädiktiver genetischer Diagnostik" bei komplexen Krankheiten ist gerade bei Telepolis erschienen.
Ohne Computer wäre es nicht möglich geworden, die Abfolge der Nukleotiden im Zellkern aufzulisten. Aber der Zusammenhang zwischen moderner Genetik und Informationstechnik geht über die Technik der DNA-Sequenzierung hinaus. Weil es halt so praktisch gewesen wäre, übernahm der Mainstream der Genetik von der Informationswissenschaft (je nach Vertreter mehr oder weniger bewusst) das Modell einer Programmsteuerung. Die elementaren Zeichen im "Code der Erbinformation" seien die Basenpaare, die bei der Zellvermehrung ausgelesen werden und so die Ontogenese regeln, die Entwicklung des lebendigen Organismus. In diesem Modell sind die Aufgaben klar verteilt: Die DNA teilt den Zellen mit, was sie zu tun und zu lassen haben. Der Ablauf "DNA - Transkription - RNA - Translation - Protein" entspräche demnach einer Signalkette und, sofern dieser Prozess störungsfrei verläuft, der Genotyp dem Phänotyp.
Montag, 7. Mai 2012
Kurzrezension in der Sozial.Geschichte
Jetzt ist sie erschienen, die sehr wahrscheinlich letzte Besprechung von Datenschatten. In der neuen Ausgabe der Sozial-Geschichte heißt es unter anderem, das Buch sei
ein kluger und gut lesbarer Beitrag zur Diskussion um die „Überwachungsgesellschaft“Danke für die Blumen!
Mittwoch, 2. Mai 2012
Fun fact # 11
"Ist in den letzten zwei Jahren in ihrem Betrieb Personal in deutlichem Umfang abgebaut worden?" Auf diese Frage antworten etwa 30 Prozent aller deutschen Beschäftigten mit ja.
(Quelle)
Montag, 30. April 2012
"Angst ist die ansteckendste Krankheit überhaupt"
Was motiviert und wie denken Impfgegner? Warum sind es vor allem sehr arme und ganz reiche Menschen, die ihre Kinder nicht impfen lassen? Wie könnte eine vernünftige Berichterstattung über Impfungen und ihre Vor- und Nachteile aussehen?
Darüber habe ich für Telepolis mit dem amerikanischen Journalisten Seth Mnookin gesprochen, der mit "The Panic Virus" sozusagen eine Kritik der Impfkritik vorgelegt hat. (Mehr Infos auf deutsch über Mnookins Buch gibt es hier.)
Die individualistische Vorstellung ist ganz falsch, die Menschen könnten ihre medizinische Entscheidungen danach treffen, "was für sie persönlich das beste ist". Im Fall des Infektionsschutzes sind die Konsequenzen einer Entscheidung nicht auf die Entscheider begrenzt. Was die anderen tun oder auch nicht tun, hat unweigerlich Konsequenzen auch für mich.
(...)
Gerade weil vielerorts die Herdenimmunität gegen Krankheiten wie die Masern erreicht wurde, können Eltern sich sozusagen als Trittbrettfahrer verhalten. Auch wenn sie dem eigenen Kind mögliche Nebenwirkungen einer Impfung ersparen, bleibt das Ansteckungsrisiko klein.
Die Nachteile und Probleme von Impfungen werden in dem Interview leider nur pauschal als solche genannt; auf sie eingehen konnten wir aus Zeit- und Platzgründen nicht (was jetzt im Telepolis-Forum zurecht bemängelt wird).
Mnookins Kritik am atomistischen Charakter der Argumente für und wider Impfungen finde ich besonders wichtig. Es ist bezeichnend, dass sich beispielsweise deutsche Impfgegner "Ärzte für individuelle Impfentscheidung" nennen. Um es etwas boshaft und ideologiekritisch zu formulieren: Vielleicht gehört auch das zu einer Erklärung der erstaunlichen Tatsache, dass die Trittbrettfahrerei in der Ober- und oberen Mittelschicht besonders weit verbreitet ist. Infektionen erinnern uns nämlich daran, dass wir trotz allem in einer Gesellschaft leben; aber der unvermeidbare soziale Zusammenhang - meine individuelle Entscheidung ist notwendigerweise auch eine soziale Entscheidung - ist in der bürgerlichen Vorstellungen von Gesellschaft nicht wirklich vorgesehen. Herdenimmnität darf dann als Argument keine Rolle spielen Dass die negativen Folgen für die anderen so beharrlich ausgeblendet und negiert werden, entspricht dem Sozial-Darwinismus, den die Bürger ja ohnehin alltäglich praktizieren - die (Immun-)Starken überleben, die Schwachen nicht.
Sonntag, 29. April 2012
Über Transparenzfetischisten und ihre Feinde
Im Moment hacken ja alle auf der Piratenpartei herum - und das zum Teil aus ganz falschen Gründen. In der aktuellen Konkret ist meine Kritik an Byung-Chul Hans "Transparenzgesellschaft" erschienen.
Gegen die Idee einer nach-privaten Gesellschaft, die noch die letzten Winkel ausleuchtet, wendet Han ein, daß menschliche Beziehungen allzu scharf betrachtet kaputt gehen. Keine Liebe hält es aus, unters Mikroskop gelegt zu werden. Aber so naiv die Befürworter einer post-privacy sind, die sich selbst unter Dauerbeobachtung stellen wollen, so obskurantistisch ist Hans Kritik an der Vernetzung. Stattdessen plädiert er für das Geheimnis, das Unsagbare und Unberechenbare.Mir kommt es übrigens immer mehr so vor, als sei der letzte Topos - Kulturkritik, die die Quantifizierung zur Wurzel allen Übels erklärt - eine besonders deutsche (romantische) Tradition.
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